Donnerstag, 27. September 2018

Die verwirrende Geschichte von der „Nutte“ – Kommunikationshürden im Kleinkindalter

Wenn man dem Wichtel Glauben schenken möchte, sind Konsonanten relativ überbewertet. Etwa die Hälfte davon kann man ersatzlos streichen oder durch ein Exemplar aus der von ihm präferierten Hälfte ersetzen. Das verursacht in unserem Haushalt in der Regel wenig Komplikationen. Immerhin hat er bis vor kurzem gar nicht gesprochen und da war die Verständigung bis zu einem gewissen Grad ja auch möglich. Und wenn er enthusiastisch „Affe“ ruft und dabei mit der Giraffe wedelt, dann muss ich ja zusätzlich zu den Ohren lediglich die Augen bemühen und schon ist die Sache sonnenklar.

Friede, Freude, Eierkuchen und Einhörner hüpfen über, mit weißen Wölkchen gerahmte, Regenbögen.



Bis er etwas sucht - und nicht findet.

Denn dann ist er einzig und allein auf sein Sprachvermögen angewiesen. Wenn man Glück im Unglück hat, befindet man sich in diesem Moment in seiner Nähe und er sucht nach „Affe“. Denn dieses Wort ist bereit bekannt, hat zwei Bedeutungen, die man vorsichtig und feinfühlig nach dem Ausschlussprinzip von einander abgrenzen kann: „Schatz, du suchst deinen Affen?“ - „NEEEEEEIIIINNN!!!“ - „Ok, Entschuldigung, hab ich falsch verstanden, mein Fehler! Dein Giraffe?!“ - „Ja, meiner Affe!“ Und dann kann der verständige Glückspilz helfend eingreifen und die Suche zeitnah zu einem hoffentlich glücklichen Ende bringen.

Und wieder: Friede, Freude, Eierkuchen nebs hüpfender Einhörner.

Aber wehe dem, der sich in der Nähe befindet, wenn der Wichtel etwas sucht, was bislang ein Fremdwort darstellt...
 
So zum Beispiel gestern Abend, als sich das liebe Kind partout nicht beruhigen konnte, denn es suchte nach „NUUUUTTTTTTEE!“ – „Entschuldige, bitte was?!“ - „Meiner Nutte!“ - - -
Ok, das hat mich und meinen Mann dann doch kurz ins Nachdenken gebracht. Relativ schnell konnten wir ausschließen, dass es sich um das handelt, was wir verstanden hatten. Leider wiederholte unser Spross in zunehmender Lautstärke: „Meiner Nutte! Meiner Nutte!“

Dann sitzt du da, horchst, das Hirn raucht 
und du versucht verzweifelt via Worterkennung einen sinnvollen Vorschlag zu machen und dieses „Nutte“ in 21-konsonantenhaltige Erwachsenensprache zu übersetzen.

Es hat etwas länger gedauert bis mein Hirn den Code knackte, was hauptsächlich daran lag, dass dieses Wort bei uns nicht gebräuchlich ist und aus der Kita in unseren Haushalt geschwappt ist:
Nuckel! Oder bei uns: Schnuller!
Schnuller gesucht. Schnuller gefunden. Ruhe.
Kind kaut zufrieden drei Minuten auf dem Ding rum und spuckt es dann wieder aus – ist nämlich nur ein Zitat. Er schnullert gar nicht, sondern imitiert lediglich das Verhalten seiner Kita-Freunde.

Ich fand mein Leben immer schon ziemlich schön. Aber seit ich Kinder habe, lache ich viel mehr.

 
(Ganz plötzlich und unverhofft war da auf ein mal Wort. Und die wollten hier her. Na dann bin ich wohl zurück. Hallo Ihr, schön, dass ihr noch da seid!)

Alles Liebe,
Anna

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