Dienstag, 14. März 2017

Selbstgenähtes zum ersten Geburtstag

Unverhofft kommt oft. Und so haben wir entgegen unserer Erwartung für den Wichtel einen Kitaplatz (und dann sogar noch rechtzeitig den passenden Kitagutschein dazu) in unserer Lieblingskita bekommen. Und zwar nicht erst im August sondern jetzt.
Pünktlich zu seinem ersten Geburtstag wir der kleine Kerl jetzt mit der Eingewöhnung starten. Ich fürchte, es wird nicht ganz so einfach gehen, wie mit dem Zwerg. Und das liegt nicht daran, dass der Zwerg so viel unkomplizierter war, als es sein kleiner Bruder ist. Es liegt an mir.
Ich weiß, das dieser kleine Mann mein letzes Baby sein wird. Und ich war auf August eingestellt. Es fällt mir verflixt schwer, ihn so schnell loszulassen. 
Glücklicher Weise halte ich seine Kita für den nettesten Ort im gesamten Prenzlauer Berg. Sie ist klein und kuschelig, riecht irgendwie gemütlich, ist voller extrem zugewander und freundlicher Erzieherinnen, die sich offensichtlich gut leiden können und ihre Arbeit und die dazugehörigen Kinder echt gern mögen.

Wie sein großer Bruder, hat sich der Wichtel nicht auf ein Stofftier oder Kuscheltuch festgelegt und mag Schnuller so gar nicht. Zusätzlich zu einem solchen Übergangsobjekt - falls vorhanden - bittet die Kita um eine Trinkflasche (check), eine beschriftete Vesperdose (kommt), eine Decke (ist in Planung) und ein Fotobuch, in dem nahestehende Menschen und vertraute Dinge abgebildet sind - ein Stück zu hause für die Kita eben.
Für dieses Fotobuch habe ich am Wochenende eine Hülle genäht. Ich weiß, wie intensiv die Bücher vom Zwerg und seinen Freunden beguckt wurden. Und ich erinnere mich, wie zerfleddert die Bücher nach einer Weile aussahen...

Da steht natürlich nicht wirklich "wichtel" - aber ich komme hier ja bislang gut ohne Klarnamen aus und da wollte ich jetzt keine Ausnahme machen. Weil ich schon mal dabei war und finde, dass das ein wirklich schönes Geschenk ist, hab ich der Wichtel-Krabbelfreundin auch noch eine genäht.

Die Namen habe ich mit Textilfarbe auf Snappap gestempelt. Das hat erfreulich gut geklappt, gefällt mir optisch sehr und ist deutlich weniger zeitaufwändig, als die Namen zu applizieren. Und es macht mir sogar noch mehr Spaß!
Jetzt fehlen noch ein paar hübsche Fotos zum Befüllen - also eins vom Wichtel und mir für die Freundin und etwa 20 von Freunden und Familie für das Wichtelbuch... und das alles bis in 10 Tagen. Nichts leichter als das!

Stoffe Fog Whale Dance und Salt Water School: von Cotton & Steel über Frau Tulpe.
Pünktchenstoff vom Stoffmarkt und der Ele-Stoff von vor Jahren bei Frieda Hain - ich hätte mehr davon kaufen sollen!
Schnitt: selbstgemacht.

Die Buchhüllen schicke ich zu Creadienstag und HOT und mach mich mal wieder ans Werk. Es ist noch soooo viel zu tun!

Alles Liebe,
Anna

Montag, 13. März 2017

12 von 12 l im März 2017

Es ist sechs Uhr früh als der Wichtel mich weckt und stillen will. Da ist nichts Ungewöhnliches dabei - das ist so seine Uhrzeit. Dann schläft er weiter - das macht er immer so, mein liebes Inzwischen-Langschläferbaby. Ungewöhnlich ist, dass ich wach bin. Hellwach. Es ist nachvollziehbar, da ich am Vorabend um halb elf zusammengeklappt bin, aber hat Seltenheitscharakter, den ich bin ausgeschlafen und außer mir ist keiner wach. 


Ich kann mich nur sehr vage erinnern, wann das zuletzt der Fall war. Ich feiere diesen angenehmen Start in den Tag mit einer Tasse Kaffee. Dann mache ich die Waschmaschine an und schneide einen vorgezeichneten Schnitt aus.

Aus dem Nebenzimmer höre ich die Zwergenstimme. Ich gehe "Guten Morgen" sagen und nehme ihn mit ins Schlafzimmer - den Wichtel wecken. (ja, ich weiß, Babys wecken ist eine Sünde und es gibt dafür ein extra fieses Eck in der Hölle, aber glaubt mir, der Zwerg ist danach überglücklich, weil sein kleiner Bruder nur direkt nach dem Aufwachen kuschelig ist und mit ihm schmust und der Wichtel liebt es, beim Aufwachen als erstes seinen großen Bruder zu sehen. Außerdem kann der Zwerg ganz wunderbar wachkitzelküssen. Dem Wichtel gefällt das sehr und für`s Mutterherz ist es sehr gut, die zwei Söhne  so glücklich miteinander zu sehen!

Kaum ist Ausgekuschelt, bekommt der Liebste eine Tasse Milchkaffee ans Bett gebracht. Der Wichtel begleitet Papas Aufwachen mit etwas Musik - bis der Liebste vorsichtig darauf hinweist, dass es erst halb acht und Sonntag ist. Tja, wenn man um sechs Uhr aufsteht, ist das Zeitgefühl perdu!

Es wird gefrühstückt. Heute mit Aufbackbrötchen und -Croissants und Smoothie statt Obstteller, denn der wurde am Vortag eher ignoriert.

Nach dem Frühstück flicke ich eine Zwergenjeans. Seit Monaten produziert der junge Mann in ein Loch nach dem anderen und so langsam begann ich mich dafür zu schämen, wie ich mein Kind in die Kita schicke. Hust.

Der Zwerg kämmt inzwischen seine Mini-Fillys und ich rufe innerlich ein freundliches "Fuck gender!" in die Welt.

Die Nähmaschine und ich, wir hatten uns doll vermisst! Deshalb und weil bald der Wichtelgeburtstag ansteht und somit auch eine Wichtelfreundin 1 wird, werden Fotobücher mit Hüllen versehen. Dazu demnächst mehr.

Der Wichtel vermisst mich und kommt kuscheln.

Gegen zwei schaffen wir es dann doch noch vor die Tür. Es ist kalt! Muss das so?

Wir bringen den Zwerg zu einem Freund und gehen kurz in die Arcaden, um ein Geschenk zu besorgen. Ich möchte den Blumenstand leerkaufen, diszipliniere mich aber gerade noch rechtzeitig. Erst aufräumen. Dann Blumen, Anna!

Spontan wird entschieden, beim Vietnamesen zu essen. Das Essen ist hübsch und lecker, das Licht furchtbar - ich habe heute leider keinen weiteren Food-Content für dich. Dafür gibt es zum Schluss noch ein Bild vom vergnügtesten Wichtel aller Zeiten aus dem Kindercafé. Der kleine Racker war nur unterwegs und hat alles ausprobiert, was ihm in die Finger kam. Er hat versucht eine Leiter hochzuklettern - so nach dem Motto: seit vorgestern komm ich Treppen rauf, was soll da schon groß anders sein. Er hat die unterste Sprosse erfolgreich erklommen (10 cm über dem Boden) - danach wurde es dann doch zu schwierig. Oh, und er ist fünf oder sechs Schritte hinter einem Lauflernwagen hergehechtet. Das geht mir alles ein wenig zu schnell gerade! Ich komme da emotional nicht ganz mit. Aber für den Wichtel freut`s mich natürlich wie verrückt.

Das war er dann auch schon der 12. März. Meine 12 von 12 gehen jetzt gleich zu Frau Kännchen, wo ich, falls der Wichtel mich lässt, kurz noch mal gucken werde, was sonst so los war.

Alles Liebe
Anna

Mittwoch, 8. März 2017

#MeinTagohnemich

Während der Mann unter der Dusche steht, werden beide Söhne gleichzeitig wach. Unbemerkt. Einer wimmert, denn er fühlt sich allein, der ander schreit, denn er fühlt sich sehr verlassen und durstig. Es ist kurz nach sieben und der Mann ist völlig durch, denn der Babysohn weckte ihn im Schnitt alle 90 Minuten. Darauf kommt der Mann gar nicht so gut klar. Die drei wurschteln sich so durch den frühen Morgen - Baby trocken legen, 7000 x "Kind, zieh dich jetzt bitte an." sagen - was man halt so macht. 

Dann wird der Große für 2 Stündchen in die Kita gebracht, der Kleine muss dringen eine Runde schlafen, der Mann endlich mal was essen und mehr Kaffee in sich rein füllen - wegen der durchlöcherten Nacht. Eigentlich müsste er jetzt in die Sprecherkabine und Aufnahmen machen. Uneigentlich muss er wieder zur Kita, denn der Große muss zur U9. Und zwar um 12 Uhr. Und das bedeutet, er verpasst das Mittagessen in der Kita. Und er hat sich schon so auf die leckere Suppe von Jan dem Super-Kita-Koch gefreut. Das Kind wird zur Eile angehalten, besänftigt, ihm wird leckerstes, schokoladenhaltiges Essen versprochen und im Schweinsgalopp verlassen die drei das Kita-Gebäude.

Ein Dognut hält die Stimmung hoch und leicht abgehetzt erreichen alle heil die Arztpraxis. Der Große wird zur Voruntersuchung in ein Nebenzimmer gebracht, der Kleine ausgezogen. Dann wird gelesen, gespielt, untersucht und im Anschluss geimpft. Der Große hat plötzlich fies viel Angst vor Spritzen und braucht Trost und ein paar bestärkende Worte (und die Aussicht auf einen kleinen NinjaGo-Lego-Bausatz). Dann dürfen sich alle wieder anziehen (lassen) und die Praxis Richtung Bäckerei verlassen. Der Große braucht mehr Essen, der Mann auch und vor allem Kaffee. Der Kleine will alles, was der Große hat - logisch.

Das wird nix!
Dann verbringen die drei gefühlte 100 Jahre im Spielwarengeschäft, bis sich der Große mit sich selbst auf ein Lego-Dings einigen konnte. Endlich wieder nach Hause!
Mehr Kaffee! und Lego bauen. Nur Lego und Baby - das ist immer wieder eine unerfreulich anstrengende Kombination. Schokolade!
Der Große will jetzt noch zu einem Freund gebracht werden, der Kleine schlafen. Der Mann müsste eigentlich wirklich dringend eine Aufnahme machen, aber jetzt pennt das Baby schon wieder im Kinderwagen statt im heimischen Bett. Das wird nix!
 
Zuhause angekommen muss das Abendessen vorbereitet werden, damit es dann auch halbwegs rechtzeitig auf dem Tisch steht. Im Bad wartet ein mittlerer Wäscheberg auf`s Gewaschen-werden und der Wäschständer im Wohnzimmer darauf, entleert zu werden. Ups, schon wieder sechs. 
Der Große muss abgeholt werden - vorher noch den Reiskocher anschmeißen. Nicht vergessen!
Unterwegs pennt der Kleine noch mal weg. Mist! Jetzt schläft der garantiert nicht vor halb 11. Das war`s dann mit der Aufnahme für heute!
Gegen sieben steht das Essen auf dem Tisch. Nur 30 Minuten später als geplant. Der Große will lieber Marmeladenbrot. Der Kleine will gefüttert werden. Der Mann kommt nicht so recht zum Essen. Egal. Das Gemüse ist eh verkocht.

Ein letzter Kraftakt: den Großen ins Bett bringen! - ihn in den Schlafanzug quatschen, gleichzeitig den Kleinen wickeln und umziehen - ihn zum Zähne putzen motivieren - und dem Kleinen die Beisser schrubben - und zuletzt eine Geschichte vorlesen. In der Theorie schön. In der Praxis gibt es da das Baby. Und das findet an Büchern bislang genau eine Sache witzig: man kann sie zuklappen. Das kombiniert sich nur mäßig gut mit dem Plan, eine Geschichte vorzulesen, weshalb der Mann erschöpft das Licht löscht, um im Dunkeln eine Geschichte zu erzählen. Der Mann schläft als erstes ein. Der Große dann auch. Nur der Kleine kriecht noch im Halbdunkel herum und sucht nach Legosteinen.


Eine Utopie, 
denn natürlich habe ich als Mutter eines 11-Monatigen, dessen Hauptnahrung immer noch Muttermilch ist und alles andere BEIkost, nicht einfach mal für einen Tag eine Auszeit genommen und meine Familie in den absoluten Ausnamezustand versetzt. Das wäre grausam!

Und ich bin unfassbar froh, Teil dieser Familie zu sein. Ich wurde heute mit Küssen, Lachen und Kaffee durch den (zugegebener Weise sehr müden) Tag getragen. Ich habe getröstet, gefüttert, geholfen und mich gefreut, weil Dinge einfach ohne mein Zutun gelungen sind. Innerhalb dieser Familie erhalte ich meist die Anerkennung, die ich brauche und die mir zusteht. Immerhin.


Ich bin dankbar für die Idee der Gleichberechtigung, die in dem Kopf meines Partners Wurzeln schlagen konnte, weil andere Frauen für sie gekämpft haben. Ich hoffe, meinen Söhnen Gleichberechtigung vorleben zu können. Ich hoffe, dass Gleichberechtigung in allen Köpfen ankommt. Und in allen Gehaltsschecks. 

Einen fröhlichen Frauentag - und Danke an Kaiserinnenreich für die Mühe und die Idee! Ich verlinke noch zu Vanessa, denn Mittwochs mag ich Frauen im Allgemeinen und Mütter im Besonderen.
Hier noch der Link zu allen anderen #MeinTagohnemich-Beiträgen.


Alles Liebe,
Anna