Mittwoch, 8. März 2017

#MeinTagohnemich

Während der Mann unter der Dusche steht, werden beide Söhne gleichzeitig wach. Unbemerkt. Einer wimmert, denn er fühlt sich allein, der ander schreit, denn er fühlt sich sehr verlassen und durstig. Es ist kurz nach sieben und der Mann ist völlig durch, denn der Babysohn weckte ihn im Schnitt alle 90 Minuten. Darauf kommt der Mann gar nicht so gut klar. Die drei wurschteln sich so durch den frühen Morgen - Baby trocken legen, 7000 x "Kind, zieh dich jetzt bitte an." sagen - was man halt so macht. 

Dann wird der Große für 2 Stündchen in die Kita gebracht, der Kleine muss dringen eine Runde schlafen, der Mann endlich mal was essen und mehr Kaffee in sich rein füllen - wegen der durchlöcherten Nacht. Eigentlich müsste er jetzt in die Sprecherkabine und Aufnahmen machen. Uneigentlich muss er wieder zur Kita, denn der Große muss zur U9. Und zwar um 12 Uhr. Und das bedeutet, er verpasst das Mittagessen in der Kita. Und er hat sich schon so auf die leckere Suppe von Jan dem Super-Kita-Koch gefreut. Das Kind wird zur Eile angehalten, besänftigt, ihm wird leckerstes, schokoladenhaltiges Essen versprochen und im Schweinsgalopp verlassen die drei das Kita-Gebäude.

Ein Dognut hält die Stimmung hoch und leicht abgehetzt erreichen alle heil die Arztpraxis. Der Große wird zur Voruntersuchung in ein Nebenzimmer gebracht, der Kleine ausgezogen. Dann wird gelesen, gespielt, untersucht und im Anschluss geimpft. Der Große hat plötzlich fies viel Angst vor Spritzen und braucht Trost und ein paar bestärkende Worte (und die Aussicht auf einen kleinen NinjaGo-Lego-Bausatz). Dann dürfen sich alle wieder anziehen (lassen) und die Praxis Richtung Bäckerei verlassen. Der Große braucht mehr Essen, der Mann auch und vor allem Kaffee. Der Kleine will alles, was der Große hat - logisch.

Das wird nix!
Dann verbringen die drei gefühlte 100 Jahre im Spielwarengeschäft, bis sich der Große mit sich selbst auf ein Lego-Dings einigen konnte. Endlich wieder nach Hause!
Mehr Kaffee! und Lego bauen. Nur Lego und Baby - das ist immer wieder eine unerfreulich anstrengende Kombination. Schokolade!
Der Große will jetzt noch zu einem Freund gebracht werden, der Kleine schlafen. Der Mann müsste eigentlich wirklich dringend eine Aufnahme machen, aber jetzt pennt das Baby schon wieder im Kinderwagen statt im heimischen Bett. Das wird nix!
 
Zuhause angekommen muss das Abendessen vorbereitet werden, damit es dann auch halbwegs rechtzeitig auf dem Tisch steht. Im Bad wartet ein mittlerer Wäscheberg auf`s Gewaschen-werden und der Wäschständer im Wohnzimmer darauf, entleert zu werden. Ups, schon wieder sechs. 
Der Große muss abgeholt werden - vorher noch den Reiskocher anschmeißen. Nicht vergessen!
Unterwegs pennt der Kleine noch mal weg. Mist! Jetzt schläft der garantiert nicht vor halb 11. Das war`s dann mit der Aufnahme für heute!
Gegen sieben steht das Essen auf dem Tisch. Nur 30 Minuten später als geplant. Der Große will lieber Marmeladenbrot. Der Kleine will gefüttert werden. Der Mann kommt nicht so recht zum Essen. Egal. Das Gemüse ist eh verkocht.

Ein letzter Kraftakt: den Großen ins Bett bringen! - ihn in den Schlafanzug quatschen, gleichzeitig den Kleinen wickeln und umziehen - ihn zum Zähne putzen motivieren - und dem Kleinen die Beisser schrubben - und zuletzt eine Geschichte vorlesen. In der Theorie schön. In der Praxis gibt es da das Baby. Und das findet an Büchern bislang genau eine Sache witzig: man kann sie zuklappen. Das kombiniert sich nur mäßig gut mit dem Plan, eine Geschichte vorzulesen, weshalb der Mann erschöpft das Licht löscht, um im Dunkeln eine Geschichte zu erzählen. Der Mann schläft als erstes ein. Der Große dann auch. Nur der Kleine kriecht noch im Halbdunkel herum und sucht nach Legosteinen.


Eine Utopie, 
denn natürlich habe ich als Mutter eines 11-Monatigen, dessen Hauptnahrung immer noch Muttermilch ist und alles andere BEIkost, nicht einfach mal für einen Tag eine Auszeit genommen und meine Familie in den absoluten Ausnamezustand versetzt. Das wäre grausam!

Und ich bin unfassbar froh, Teil dieser Familie zu sein. Ich wurde heute mit Küssen, Lachen und Kaffee durch den (zugegebener Weise sehr müden) Tag getragen. Ich habe getröstet, gefüttert, geholfen und mich gefreut, weil Dinge einfach ohne mein Zutun gelungen sind. Innerhalb dieser Familie erhalte ich meist die Anerkennung, die ich brauche und die mir zusteht. Immerhin.


Ich bin dankbar für die Idee der Gleichberechtigung, die in dem Kopf meines Partners Wurzeln schlagen konnte, weil andere Frauen für sie gekämpft haben. Ich hoffe, meinen Söhnen Gleichberechtigung vorleben zu können. Ich hoffe, dass Gleichberechtigung in allen Köpfen ankommt. Und in allen Gehaltsschecks. 

Einen fröhlichen Frauentag - und Danke an Kaiserinnenreich für die Mühe und die Idee! Ich verlinke noch zu Vanessa, denn Mittwochs mag ich Frauen im Allgemeinen und Mütter im Besonderen.
Hier noch der Link zu allen anderen #MeinTagohnemich-Beiträgen.


Alles Liebe,
Anna

Kommentare:

  1. puh... als kinderlose frau denke ich bei sowas immer: wie schaffen mütter das bloß ohne durchzudrehen? warum tun frauen sich das an? dein nachsatz erklärt es so halbwegs. ich ziehe meine pussy hat vor menschen wie dir. (und das kann ich vermutlich unter alle beiträge mit diesem thema schreiben....)
    liebst,
    jule*

    AntwortenLöschen
  2. Toller Beitrag, Anna! Ich liebe dein Blogdesign, demnächst muss ich hier bei dir unbedingt mehr lesen.
    Schöne Grüße,
    Barbara

    AntwortenLöschen
  3. Wirklich ein toller Beitrag und er wirft mich zurück in meinen Alltag, als meine Jings noch in dem Alter waren. Mittlerweile sind sie erwachsen und ausgezogen. Ich glaube, mir ist es relativ gut gelungen, ihnen die Gleichberechtigung beizubringen. Als Alleinerziehende konnten sie im Alter von 9 schon die Waschmaschine bedienen, später bügeln und kochen. Nach ihrem Auszug war ich nie "Hotel Mama". Nur in Ausnahmefällen wurde bei mir gewaschen und dann meist selbst.
    Ich wünsche Dir noch viel Spass mit Deinen Kindern. Sie werden groß und halten einen. Icht nur auf Trab sondern auch flexibel im Kopf.
    Liebe Grüße, Julia

    AntwortenLöschen
  4. Puuuh, ich bin da total bei Frau Jule - die Tagesbeschreibungen von Eltern lassen mich regelmäßig mit den Ohren schlackern, bin ich doch oft schon fix und alle, wenn ich mich selbst durch einen Tag bugsiert habe.
    Bei dir habe ich immer das Gefühl, dass du alles wenigstens nicht alleine wuppen musst, sondern von deinem Partner viel Unterstützung (und auch Anerkennung, wie du hier geschrieben hast und was ich auch sehr wichtig finde!) bekommst - aber wenn ich mir da andere Familien anschaue oder an Alleinerziehende denke. Whoa.

    Alles Liebe,
    Sabrina - heute auch ohne kleine Kinder schlaflos

    AntwortenLöschen