Donnerstag, 12. Januar 2017

12 von 12 l im Januar 2017

Was für ein Tag! Mal ganz ehrlich gesagt - ich bin erleichtert, dass er vorbei ist. Irgendwie war da heute streckenweise ganz schön der Wurm drin. Den Preis für die Mutter des Jahres bekomme ich bestimmt nicht verliehen für die heutige Performance - so viel ist gewiss! Aber seht selbst:

Der Tag beginnt gegen acht und nach einer bescheidenen Nacht mit einer mieser Einschätzung der Gesamt-Situation und grauenerregender Reaktionsgeschwindigkeit. Der Wichtel krabbelt mir entgegen und fällt ungebremst Kinn voran vom Bett. Ich bin, ohne einen einzigen Schluck Kaffee intus zu haben, hellwach. Der Zwerg sprintet, durch mein "Oh mein Gott! Oh mein Gott!"-Gerufe heran. Ich muss erstmal das Analyse-Programm durchlaufen lassen und schicke ihn weg (wofür ich mich, kurz darauf entschuldige). Abgesehen von der roten Stelle am Kinn, die ihre Farbe sicherlich noch von rot zu blau zu grün-gelb ändern wird, scheint dem Wichtel nichts zu fehlen. Ich verabreiche Arnika-Globuli, stille und trinke dann, der Form halber eine Tasse Kaffee. Der Wichtel wichtelt fröhlich herum. Er scheint völlig in Ordnung zu sein. Ich stehe komplett neben mir.
Ich nötige den Mann, gemeinsam mit dem Zwerg das Gitterbett aufzubauen. Dann bringt der Mann den Zwerg in die Kita. Der Wichtel ist wieder müde (seltsamer Rhythmus, den er da seit ein paar Tagen hat: knapp 2 Stunden wach und will schon wieder pennen) - ich stille, er schläft, ich lege ihn in sein neues Bett.

10 Minuten später wird er wach. Na gut, dann eben sofort zum Kinderarzt - passt mir eh besser als nachmittags. Nach kurzer Warterei stellt auch die Kinderärztin fest, er wirke ausgesprochen gut - 48 Stunden beobachten, weil man das halt so macht - alles gut.
Es folgt wieder das nervige Gespräch über Osteopathie: Ich: Ich hätte gern ein Privatrezept für Osteopathie. Sie: Ich überweise sie an einen Arzt, der auch als Osteopath arbeitet. Ich: Nein, ich hätte gerne das Privatrezept. Ich möchte meinen Osteopath konsultieren. Sie: Das möchte ich nicht. Es gibt so viele Scharlatane. Ich: Das mag sein. Ich weiß aber, dass meiner gut ist - seit Jahren im Beruf, hat mir bereits sehr geholfen, meinem Sohn ebenfalls. Sie: Aber... Ich: Gibt es nicht freie Arztwahl... Sie: Grummelgrummel... 
Wenn ich nicht ein nahezu identisches Gespräch vor etwa 7 Monaten geführt hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich geschockt. Ich verstehe nur nicht, wieso sie das macht. Es wirkt ja fast so, als hätte sie davon etwas, wenn ich den Arzt ihrer Wahl besuche - ich will so was gar nicht denken... 
Nun, ich hab schlussendlich bekommen was ich wollte und verlasse halb erleichtert, halb enerviert die Praxis.

Berliner Wetter at its best. Ich spaziere, hoffe, dass der Wichtel wieder einschläft. Tut er nicht! Ich merke, dass eine Scheibe Honigbrot nicht reicht. Es ist nach 12. Ich gehe ein belegtes Brötchen kaufen. Es schmeckt furchtbar. Ich kaufe eine Laugenbrezel. Die schmeckt, wie Laugenbrezel halt schmeckt. Ich esse knapp die Hälfte im Gehen.

Nach einigem Hin- und Her entscheide ich zum Yoga zu gehen. Der Zwerg fühlt sich wohl da und ich kann ein wenig gut Energie echt gebrauchen.

Was soll ich sagen - es war die beste Entscheidung. Der Zwerg hat sichtlich Spaß - und das obwohl er ziemlich müde ist. Ich komme aufgeräumt aus der Stunde, flaniere mit ein paar Müttern durch den Kiez, esse eine Waffel und steuere dann der Kita entgegen.

Nun folgt der zweite Tiefpunkt des Tages. Ich trage den Wichtel seit etwa einer Stunde durch die Gegend. Mir fehlt Kaffee. Viel Kaffee! Etwa drei Tassen. Ich will als gut gelaunte Mutter in der Kita aufschlagen und den Zwerg fröhlich nach Hause begleiten. Dafür fehlt mindestens eine Tasse. Gut, dass es ein echt tolles Café fast direkt neben der Kita gibt. Ich kaufe einen Becher zum Mitnehmen, fülle ihn mit kalter Reismilch auf und will gerade den ersten Schluck trinken, da macht der Wichtel mit seinem Kopf eine stürmische Bewegung und stößt gegen den randvollen Becher. Die immernoch relativ heiße Brühe kippt ihm ins Gesicht.
Ich reagiere halbwegs geistesgegenwärtig und trockne das Kind mit meinem Schal ab, nehme es aus der Trage. Keine Verbrühungen. Ich nippe am Kaffee. Heiß, aber nicht zu heiß. Der Wichtel hat sich beruhigt. Nichts Schlimmes passiert. Er guckt sich interessiert um. Ich könnte heulen. Was bitte ist denn heute mit mir los. Ich bin ja wohl völlig bescheuert! 
Ich setze mich erstmal, versuche mich zu beruhigen, exe den Rest von Kaffee - bringt ja auch nichts, den jetzt wegzuschütten... dann holen wir den Zwerg ab und machen uns auf den Heimweg. Ich bin so so erleichtert, als ich beide Kinder heil an meinen Mann übergeben kann. 
Ich bin alle und verabschiede mich in die Badewanne - da kann ich niemandem gefährlich werden.

Im Anschluss stille ich, der Wichtel pennt ein wenig, danach gibt es ordentlich Geschwisterplüsch im Gitterbettchen.

Abendessen, dass von beiden Kindern weitestgehend verschmäht wird - nun, für uns hätten wir jetzt auch keine Fischstäbchen machen müssen...

Der Zwerg zeigt mir noch ein Bild, das er heute in der Kita gemalt hat. Ich bin verzückt. Vor allem von seiner Erklärung: Es sind nur drei Schneeflocken, weil es gerade erst zu schneien angefangen hat und - und darüber könnte ich mich echt wegschmeißen - die beiden Schneemänner haben jeweils eine Karotte als Nase und eine in der Hand - um sie zu essen. Und er wusste ganz genau, dass das witzig ist. Liebe!

Ich streichele noch schnell den Stoff, den ich mir für heute zum Täschchen-Nähen bereit gelegt hatte - das wird wohl nix mehr.

Dann wird mir klar, dass auf den glorreichen heutigen Tag Freitag der 13. folgt. Na Bravo!

Ich für meinen Teil finde es ausgesprochen ok, dass dieser Tag nun vorüber ist. Ich bin heilfroh, dass mein kleiner Wichtel ihn gut überstanden hat und dankbar, zwei gesunde und fröhliche Kinder zu haben. Ich bin glücklich, mit einem Mann zusammen zu leben, der mich unterstützt und versteht. Und ich bin müde! Und der Wichtel zahnt schon wieder, was bedeutet, ich werde auch morgen müde sein. Aber ganz ehrlich - das ist mir heute piepegal! Hauptsache gesund.
Meine 12 von 12 verlinke ich bei Caro und wünsche ihr und ihren Liebsten und Dir und Deinen Liebsten heute vor allem Gesundheit -

und alles Liebe
Anna

Kommentare:

  1. Ganz ehrlich: ich liebe deinen Blog!!!

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  2. Ach Mensch, da hattest du wirklich einen formvollendet doofen Tag. Ich hoffe, die Tage seitdem waren freundlicher zu dir.

    Die Zeichnung deines Zwerges finde ich herzallerliebst - und das Geschwisterplüschbild erst! <3

    Das Berlinbild mit Fernsehturm im Hintergrund hat mir einen kleinen Stich verpasst. Da wäre ich jetzt gerne, denn der Lieblingsmensch ist gerade unterwegs zu sich nach Hause.

    Liebe Grüße von weit weg,
    Sabrina

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