Mittwoch, 18. Mai 2016

Erziehung: ein kreatives Experiment

Wie oft hab ich in den letzten Monaten gelesen, dass alle BloggerInnen immerzu nur über die rosa-Zuckerguss-Seiten ihres Lebens schreiben würden und wie langweilig und un-authentisch das doch sei. Stimmt sicher häufig - also, dass eher das Positive verbloggt wird. Find ich persönlich auch gar nicht mal so schlimm. Leute, die ständig nur jammern find ich ziemlich anstrengend. Trotzdem geht es hier heute um ein Problem. 
Der Zwerg ist wirklich ein süßer Kerl. Er ist charmant, beherrscht die Vokabeln "bitte" und "danke" und bringt sie ab und an sogar zur Anwendung, er grüßt freundlich, wenn er Bekannte und Freunde trifft (meistens) und aus der Kita bekomme ich das Feedback, dass er keinen Ärger macht. Aber er ist natürlich trotzdem 4 1/2 Jahre alt und somit mitten drin in der Trotzphase. Auch da kann ich mich nicht wirklich beschweren. Kein einziges Mal war ich eine der Mütter, deren Kind neben der Supermarkt-Kasse trommelnd und brüllend auf dem Boden lag, weil es kein wasauchimmer bekommen hat. Und das, obwohl er durchaus oft kein wasauchimmer bekommt. 
Meine viel geliebte Schwangerschafts-Yoga-Lehrerin sagte über die Trotzphase, dass jedes Kind instinktiv weiss, was seine Mutter und seinen Vater triggert. Und das wird dann gemacht. Nun, mir ist es ein wenig egal, was die anderen Leute im Supermarkt so denken. Damit kriegt er mich nicht. Damit nicht!

Als er kleiner war, hat er beim Abendessen wütend mit Essen geworfen. Anna in unter 3 Sekunden auf 180! Das konnte ich ihm wieder abgewöhnen. Hurra!

Seit mehreren Monaten hat er einen neuen wunden Punkt bei mir entdeckt. Er hört einfach gar nicht mehr auf mich. Ich sage "hü", er sagt "hott". Dann wirft er mir einen prüfenden Blick zu und grinst, wenn er merkt, dass ich mich ärgere. Alternativ wird so getan, als würde ich nicht sprechen, bzw. er mich nicht hören. Wenn ich mein Anliegen wiederholt an ihn richte, oder ihm etwas nicht gebe oder erlaube, wird er so richtig sauer und bockig und es geht gar nichts mehr. (Natürlich nicht immer. Er kann wie gesagt ganz bezaubernd und lieb und entzückend sein. Wenn er will.) 
Das Testen der Grenzen ist für sein Alter sicherlich völlig normal. Das ist auch nicht mein Problem. Das Problem ist, dass ihn nichts, was ich als Reaktion auf seine Tests tue, beeindrucken kann. Wenn ich schimpfe lässt ihn das kalt, wenn ich ihn in sein Zimmer schicke, geht er nicht, wenn ich ihn persönlich darin absetze, kommt er einfach wieder raus. Wenn ich ihm wasauchimmer streiche oder mit wasauchimmer drohe, interessiert ihn das nicht (obwohl ich nur androhe, was ich auch bereit bin durchzuziehen und das auch schon unter Beweis gestellt habe). Ich mutmaße, dass das Einzige, was ihn beeindrucken würde, Liebesentzug oder körperliche Gewalt wäre. Aber beides steht absolut nicht auf meiner Liste optionaler Erziehungsmethoden.

Was also tun, wenn nichts wirkt, wenn man sich zusätzlich um ein sieben Wochen altes Baby kümmert und entsprechend hormonell durcheinander gewürfelt ist und müde (wahnsinnig müde!), wenn man einfach keine Zeit (morgens vor der Kita) und vor allem keine Kraft für tägliche Machtkämpfe um Zähneputzen, Anziehen und dergleichen hat?

Ich habe oft und lange darüber nachgedacht, mich mit anderen Eltern ausgetauscht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass wir ein Experiment starten. Statt zu drohen und zu strafen, versuchen wir`s mal andersrum: Wir belohnen, wenn etwas klappt.

Als erstes musste eine Magnet-Tafel her, dann noch Washi-Tape und eine Menge bunter Magnete und - ganz wichtig - etwas, was der Zwerg sich sehnlichst wünschte: ein LEGO-Irgendwas aus der Reihe Ninjago.

Dann wurde ein wenig gemessen und geklebt und heraus kam diese Belohnungs-Tafel. Das ersehnte LEGO-Dings wurde im Wohnzimmer weit oben ins Regal gestellt und das System erklärt: Zähne putzen und Anziehen auf Aufforderung hin ohne Diskussion erledigt = jeweils 1 Magnet. Selbiges gilt für Zimmer aufräumen. Bei krassen Aktionen seinerseits, wie z.B. Mama hauen, 1 Magnet Abzug. Bei Erreichen der vereinbarten Menge Magneten, kann er die Magnete gegen das Geschenk tauschen.

Definitiv kann ich sagen, dass er sich den Zahlenraum bis 30 (Ja, da sind 50 Felder, aber wir wollten es für den Anfang nicht übertreiben.) peu à peu erschließt und neue Buchstaben erkennt. Ganz klar gab es hier in den letzen Wochen auch weniger Streit. Mein Versuch: ab und an mal zu erwähnen, wie viel schöner es hier ist, seit hier weniger gestritten wird. Meine Hoffnung: dass wir nicht bis zu seinem 18. Geburtstag Magnete gegen Geschenke tauschen, sondern da irgendwie wieder raus kommen und diskussionsfreies Zähne putzen, Anziehen und auf Mama und Papa hören ein wenig zur Selbstverständlichkeit wird. 

Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Drückt mir die Daumen!

Alles Liebe 
Eure Anna


Nachtrag1: Huch - neues Genre - jetzt schreib ich wohl einen kreativen Elternblog oder so was. 

Nachtrag2: Dank der bereits vorhandenen Tafel und meinem reichen Washi-Tape-Vorrat um den Kauf einer vorgefertigten Belohnungstafel herum gekommen (die finde ich allesamt ganz schön kompliziert und noch dazu gar nicht mal so hübsch). Die Anschaffung von Magnetbuchstaben stand schon länger auf der Liste, da sich der Zwerg seit ein paar Monaten Interesse am Schreiben entwickelt. Das mit den Buchstaben ist ein super Nebeneffekt. Und die Tafel ein klarer Fall für Vanessas MMI. Und weil´s so schön klingt, noch mal ausgeschrieben: Mittwochs mag ich Magnettafeln.

Donnerstag, 12. Mai 2016

12 von 12 l im Mai 2016

Wahnsinn! Die Zeit fliegt. Es ist Mai! Der Wichtel wohnt schon seit 6 1/2 Wochen bei uns. Wie kann das denn bitte sein?!
Und wie immer am 12. wird bei Caro gesammelt. Danke, liebe Caro! 
Der heutige 12. startet nach einer unkomplizierten Nacht (YEAH!) gegen 6:15 Uhr. Erst stillen, dann wickeln.

Zurück im Bett wird wieder gestillt und ein wenig gekuschelt. (Das Foto ist zwar unscharf und irgendwie komisch vom Licht her, aber so viel Geschwister-Plüsch! - das musste rein - sorry!)

Es folgt eine kurze Episode im Bad und anschließden ein rasches Frühstück. Bis das Müsli ausreichend aufgeweicht ist, spiele ich mit den Magnet-Buchstaben vom Zwerg.

Dann geht`s los. Der Wichtel muss mit mir S-Bahn fahren. Und ja, stehend stillen in der S-Bahn geht (für Euch getestet). Ich dachte, ich hab schon so einiges durch, aber dass man den Ergo-Baby-Carrier auch so verwenden kann, wusste bislang noch nicht.

Wir sind pünktlich. Das erlaubt einen kleinen Schlenker über den Wochenmarkt. Schöne Blumen! Aber auf dem Weg zum Arzt Blumen kaufen ist Quatsch und außerdem muss erst die Wohnung geputzt werden, bevor ich sie mit Blumen dekorieren kann!

Schon lustig, wie anders es am Rathaus Steglitz so ist - Menschen mit grauen Haaren wo man hinschaut. Und ich bin zwar nicht die einzige Mutter, aber die Einzige mit Babytrage. Resultat: viele verwirrte Blicke in meinen leeren Kinderwagen.

Schon mal versucht einen Selfie mit dem Handy zu knipsen und gleichzeitig durch leichtes Wippen und "Sssccchhh-sssccchhh..."-Machen ein Baby zu beruhigen? So sieht das aus! Im Hintergrund: das Behandlungszimmer meiner Gynekologin. Fazit: alles top!

Im Anschluss hab ich den Versuch unternommen, Spucktücher zu kaufen. Wir haben davon nämlich nicht genug und wo auch immer ich suche, sind alle hässlich und/oder zu dünn*. Im Schloss (so heißt das steglitzer Einkaufs-Center) gibt es gar keine Spucktücher. Aber hierfür hat sich der Besuch bereits gelohnt:

Ja, in Steglitz hat man goldene Fahrstühle! Nimm das Prenzlauer Berg! Ich fahr aber trotzdem wieder nach Hause. Und da erwartet mich eine Überraschung: der Liebste hat ein Zeitfenster gefunden, in dem er noch nicht anderweitig verplant war und hat das dann dafür genutzt, unsere neue "alte" Küchenlampe aufzuhängen - inklusive Stromanschluss unterputz (!) um 50 cm zu versetzen! Bin hellauf begeistert.

Eine weitere Entdeckung sorgt für gute Laune - die erste rote Erdbeere. Der Zwerg wird ausflippen!

Der Wichtel ist ziemlich müde. Wir kuscheln noch eine Runde - und schon pennt er - ich staune immer und immer wieder! Dann bearbeite ich ein paar 12von12-Fotos und schreibe ein paar Zeilen...

Huch, schon so spät! Ich muss den Zwerg abholen! Auf dem Heimweg machen wir dann eine Runde auf Rebell und essen trotz plötzlich einsetzendem Regenschauer Eis.

Jetzt bin ich ganz schön groggy, der Zwerg ist auch müde, Hunger hamwa auch.
Drum Tschüss, bis zum nächsten Mal.

Alles Liebe
Eure Anna


*Ernst gemeinte Empfehlung: Verschenkt zur Geburt hübsche Spucktücher - das macht niemand, sie werden ständig gebraucht, die Babys wachsen da nicht raus - super Geschenk!

Dienstag, 3. Mai 2016

Öfter mal nichts Neues

Nach vierzehn Tagen hab ich jetzt doch das Bedürfnis, mal wieder ein Lebenszeichen zu senden. 
Das Leben zu viert sortiert sich so langsam ein wenig. Wir verstehen uns gut und unseren kleinen Wichtel zunehmend besser. Er ist wirklich ein sehr liebes Baby und bislang erstaunlich unkompliziert (klopfaufholz). Er wird gern getragen und gekuschelt. Er lässt sich aber auch sehr gern im Kinderwagen durch die Gegend karren. Und wenn nicht gerade Unannehmichkeiten wie Hunger, Bäuerchen oder erste Zähne (ja, wirklich wahr!!!) zu bewältigen sind, ist er wirklich ziemlich entspannt unterwegs.
So entspannt (und schläfrig), dass ich tatsächlich ein bisschen mit meiner Nähmaschine kuscheln durfte:


Entstanden ist ein alter Hut - irgendwie - irgendwie aber doch nicht. Alter Hut in sofern, als ich mal wieder meine geliebte Frida genäht habe - in 116 - der Zwerg wächst wie Unkraut! Neuland: ich musste diesmal Jeansstoff kaufen. Ich habe zwar ne frische Lieferung ausgemusterter Jeans von meinem Bruder bekommen, aber da bekomme ich beim allerbesten Willen keine Frida in 116 mehr raus. Also entweder meine liebe Verwandschaft nimmt drastisch zu, oder die Ära Upcycling-Jeans geht zu Ende. Oder - und der Gedanke schmerzt ein wenig - ich muss mich nach einem anderen Hosenschnitt umsehen - schluchtz!


Der Zwerg freut sich jedenfalls erstaunlich doll über seine neuen Jeans. Ich muss dringend noch eine aus Frottee und eine aus Nicki nachlegen! Aber erstmal braucht der Wichtel Halstücher und der Zwerg will eine rote Ninja-Maske. (Kennt ihr Ninjago? Nein? Freut Euch!) Und irgendwie hab ich nix Passendes zum Anziehen. After-Baby-Body sucks!*

Außerdem hab ich gefühlt 1000 organisatorische Dinge auf der Liste. Drum verpass ich mir jetzt nen Tritt in den Allerwertesten und lege los. Vorher verlinke ich die beiden Schätzchen aber noch zu Creadienstag, HOT und Made4Boys.

Alles Liebe
Eure Anna


* Während des Verfassens des kompletten Textes pennte der Wichtel allergemütlichst aus meinem Bauch und schmatze und gruntzte ein wenig vor sich hin. Mein After-Baby-Bauch scheint dermaßen gemütlich zu sein - da kann ich mich einfach nicht beschweren. Hat eben immer alles sein für und wider...