Sonntag, 15. Juni 2014

Stadt // Land // Arbeit

Ob Stadt, ob Land, was zu Essen muss auf den Tisch, die Brut will gefüttert sein und dazu muss frau Geld verdienen gehen... und wie das so klappt (oder auch nich so sehr) erzählen wie immer Laura und Anna.



Die sozialwissenschaftliche Definition von Arbeit laut Wikipedia ist:
"Arbeit ist eine zielbewusste und sozial durch Institutionen (Bräuche) abgestützte besondere Form der Tätigkeit, mit der Menschen seit ihrer Menschwerdung in ihrer Umwelt zu überleben versuchen."
Die Band Wir sind Helden hat es ebenfalls zu erklären versucht: 
(Ich mag den Song!)

Für mich ist es gar nicht so einfach zu sagen, wo der Spaß aufhört und die Arbeit anfängt. Und mir ist vollkommen klar, dass ich ein unfassbarer Glückspilz bin, weil ich das so schreiben kann.

Mein Arbeitsleben ist ein wirres Patchwork aus Haushalt, Kinderbetreuung (ja, das rechne ich beides zu Arbeit!) und Nähen. Außerdem bin ich ab und an noch als Schauspielerin unterwegs. Zusätzlich arbeite ich seit etwa vier Monaten in einer kleinen Filmfirma, die ein Freund von mir  gegründet hat. Und zwei bis drei mal pro Woche gehe ich in einer Tapas-Bar kellnern. 
Ach ja, ich blogge - ob das zur Arbeit zählt, weiß ich auch nicht so recht. Falls nicht, geht dafür zumindest recht viel Arbeitszeit drauf.


All diese Tätigkeiten machen meistens enorm viel Spaß und nerven höchst selten.

Wieso man gern mit Kindern zusammen ist, warum es befriedigend ist, die Küche zu putzen oder  warum Nähen Spaß macht muss ich hier wahrscheinlich keinem erklären. Und nein, natürlich  macht Putzen nicht immer Spaß! Mir auch nicht! Normal. Aber das Gefühl, wenn`s getan ist, das mag ich. Oder Musik hören und dabei Fenster putzen - bei schönem Wetter und wenn ich allein in der Wohnung bin - das find ich manchmal echt super.
Warum es Freude macht, mit netten Menschen Drehtage zu planen, Videos zu konzipieren und dabei Kaffee zu trinken, Szenen zu schreiben oder Impressionen des letzten Drehtags bei Facebook zu posten, liegt auch auf der Hand, oder?
Die Arbeit als Schauspielerin... ne, das muss ich hier nicht ausführen.

Aber das mit dem Kellnern - das findet ihr schräg, oder?

Versteh` ich. Ich find mich auch oft schräg.
Aber es ist so. Ich mach das gern.
Die Arbeit an sich find ich einfach gut. Und das war schon immer so. 
Natürlich ist es doof, wenn die Gäste unfreundlich sind. Ganz klar doof ist es, wenn der Chef ein  A... ist, was durchaus auch schon mal vorkam. Fast noch doofer ist, wenn die Kollegen alle un-nett sind oder komplett anders ticken als man selbst (kam auch schon vor).

Aber ich bin ein Glückspilz!
Deswegen arbeite ich hier:






























Ich habe total netten, wenn auch eher wortkargen Chef. Und ich hab die welt-nettesten Kollegen. Alle sind irgendwie eigentlich im Kreativ-Sektor unterwegs (Schauspieler, Filmfutzis, Musiker, Designer usw.) und verdienen nicht so ganz genug mit dem, was sie eigentlich arbeiten. Die meisten arbeiten inzwischen aber schon so lange im Alois S., dass sie selbst, wenn sie`s nicht mehr müssten, echt Probleme hätten, den Job zu kündigen.

Manchmal, wenn ich Spätschicht habe, nein eigentlich immer, find ich es doof abends weg zu müssen anstatt meinen Zwerg ins Bett zu bringen, ihm ein Buch vorzulesen und noch ein wenig zu kuscheln. Aber wenn ich im Alois bin, dann ist das vergessen.
Ich düse von Tisch zu Tisch, strahle mit der Sonne um die Wette (wenn`s die Laune hergibt/wenn nicht, war meistens ein Gast doof!), flaxe mit meinen Kollegen, trink `nen Kaffee...






















Das klingt jetzt so, als würde ich da nicht arbeiten - ne, also so ist das nicht. Wir haben da manchmal, gerade im Sommer, irrsinnigen Stress. Alle Gäste kommen gleichzeitig, wollen gleichzeitig was zu  Trinken und zu Essen, dann alle gleichzeitig zahlen und nach hause, denn die Kinder müssen ins  Bett (denn Lokal neben Spielplatz bedeutet Gäste mit Kindern). In der Zwischenzeit bin ich permanent in Sorge, dass eines der vielen Laufrad-fahrenden Kids mich umnietet. 

An dieser Stelle sei mal gesagt geschrieben: In einer Gaststätte ist das Ballspielen, Laufrad-Fahren, Fangenspielen, usw. nicht erwünscht, weil extrem gefährlich - sowohl für die Kinder, als auch für die restlichen Gäste und besonders für die Kellner. Und es wäre super nett, wenn alle Eltern die das hier lesen es weitererzählen. Ich finde auch, dass Kinder spielen sollen. Aber eben auf dem Spielplatz. Und nicht da, wo ich siedend heiße Latte macchiato balanciere. Is` für alle besser. Echt wahr.

Kurz mal abgeschweift... worauf ich raus wollte. Ich mag die logistische Anforderung, die mein Job mit sich bringt. Es ist ein Strategie-Spiel: Was als nächstes, wer ist neu, wo ein freier Platz,...

Und am 12. war WM-Start. Da wir u.A. eine Fußball-Bar sind bedeutet das: Ab jetzt brennt die Hütte.

Aber ich mag`s ja, wenn was los ist - ergo:
Wer Lust auf spanisches Essen hat (Achtung fettig!), nicht akut am Verhungern ist (wenn`s voll ist, kann`s auch schon mal etwas länger dauern), gern bayrisches Bier trinkt, oder spanischen Wein, nett zu Kellnern ist (auch wenn die mal was verbaseln, denn ja, das kommt ab und an mal vor - wir sind auch nur Menschen), den Unterschied zwischen gestressten Kellnern (weil es grad sehr plötzlich voll geworden ist) und unfreundlichen Kellnern (haben wir nicht) kennt oder kennen lernen möchte, wer alle Spiele der WM sehen will (bis zum 13.7.) oder einfach nur gemütlich im Biergarten sitzen will (nach dem 13.7.) der ist hiermit herzlich eingeladen uns zu besuchen.

Nähen und Bloggen, Mama und Hausfrau sein könnte ich wohl überall. Schauspielerin sein nicht so. Und das Alois S. gibt es eben nur hier. 
So ist das mit der Arbeit in der großen Stadt. Gar nicht mal so glamourös, aber seht bunt. 
Es macht zwar alles in allem nicht reich, aber glücklich.

Liebe Grüße
Eure Anna

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